Was fällt mir zu meinem Leben ein?

Kindheit, Jugend, Erwachsen sein und das Alter

Essstörungen, Augenkrankheit. Angst vor allem und jedem, besonders vor anderen Kindern. Man ruft mich: Brillenschlange, Bohnenstange Ich werde ausgelacht. Ich verkrieche mich in mir selbst und lasse keinen mehr an mich heran. ich verkrieche mich in meinem Schutzwald. Mein Ziel: Erwachsenwerden, möglichst schnell, da wird alles anders. So dachte ich. Doch die Pflichten als Studentin, Lehrerin, Ehefrau, Mutter, Tochter überfordern mich. Ich kann nicht Nein sagen, will es allen recht machen. Das Lachen anderer gilt für mich als Auslachen meiner Person.

Weitere Versuche, an mich zu glauben, Trauer um unsere kleine Tochter zu verdrängen, Ängste zu überwinden, Tinnitus zu überhören, Krankheiten zu ignorieren, Ich kann kein Lob annehmen. Man will mich sicher nur wieder auslachen. 

Weitere krampfhafte Versuche, perfekt zu sein als Mutter, Ehefrau, Lehrerin, Tochter, Großmutter. Weitere Versuche, Trauerarbeit zu verdrängen, auf meine ureigensten Wünsche nicht zu hören. Es fällt immer schwerer, hart zu bleiben, die Tränen zurückzuhalten.

Erste kleine Erfolge im Geschehen lassen durch Bachblüten. Die Tränen fließen endlich. Psychotherapie wird von mir angenommen, ich rede über meine Ängste. Ich versuche, mich zu ändern. Aus meiner Haut kann ich aber nicht heraus. Ich müsste lernen, mich anzunehmen, so, wie ich bin. Der Tinnitus muss eine Bedeutung haben für mich.

Ich bin aufgewacht, ich sehe um mich. Ich lasse Trauer und Freude endlich zu. Ich bin etwas wert. Ich glaube (meist) an mich. Ich kann mich im Spiegel ansehen, ich gefalle mir, keine Brillenschlange, Bohnenstange mehr. Tinnitus-mein Helfer, kein Feind mehr.

Ich höre auf seine Geräusche und deute sie für meinen Weg. Ich kann jetzt endlich Gefühle zulassen. Ich denke positiv. Ich habe wieder Freude am Beruf. Ich sage "Nein", wenn mir etwas nicht passt. Ich kann auch laut werden. Ich male, ich schreibe, ich bin. 

 

Ich male, ich schreibe, ich bin. Ich glaube an mich. Ich freue mich über jeden neuen Tag und nehme seine Herausforderungen an. Ich akzeptiere das Älter werden und lerne die  guten Seiten daran zu sehen. Notgedrungen akzeptiere ich auch den Tumor in meiner rechten Brust. Ich lebe mein Leben. Ich  verzeihe allen, die mir bewusst oder unbewusst wehgetan haben. Ich gebe sie  frei.